Das Land mit nichts… und Bäumen

Lappland - endloses Nichts

Lappland - endloses Nichts

Sagen umwobenes Lappland – du nördlichste Region in Finnland, und auch von Europa. Du kratzt hungernd am Tourismus des Nordkapps in Norwegen und suchst Anschluss an die Barentssee vor Russland – aber du bekommst beides nicht. Musst dich für immer als das Land der Rentiere und Skilangläufer hergeben, ohne Chance auf Veränderung. Du bist geprägt von endlosen Wäldern, weiten Seen, einsamen Straßen und einem Blau des Himmels, welches nicht kopiert werden kann – niemals. Deine Natur fasziniert die Menschen, ruft sie auf zur Besinnung – auf sich selbst und das Wesentliche. Sie kehren ein, zur Ruhe, zur Sanftmut und zur Entspannung. Und sie werden immer wiederkehren, in deine Breiten über dem nördlichen Polarkreis.

SO stellen sich die meisten Leute Lappland vor. Nun war ich letzte Woche dort und berichte euch, wie es da oben ausschaut: Baum, Baum, Baum, Fels, Seeeeeee, Baum, Baum, Baum, Seeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee, Fels, Fels, Wiese, Baum, Baum, Baum, Rentier, Rentier, Fels, Baum, Baum, Baum, Seeeeeeeeeee, Baum, Baum, Seeeeeeeeeeee, Baum, Baum, Rentier, Rentier, Rentierherde, Baum, Fels, Baum, Fels, Skifahrer, Skifahrer, Baum, Baum, Baum, Seeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee, Baum, Baum, … – und dazwischen und drüber und drunter gaaaaaaaanz viel Schnee.

Der Weg zu mir selbst? - Wohl kaum...

Der Weg zu mir selbst? - Wohl kaum...

Ich bin da hoch gefahren, weil ich mal Einsamkeit ausprobieren wollte. Man berichtete mir, dass es sich wunderbar dazu eignet, mal den Weg zu sich selbst zu finden, sich zu besinnen auf sich selbst und das Wesentliche (wie schon erwähnt) und all sowas. Nun ja, ich bin ja ein Mensch, der Unterhaltung braucht – und wenn es keine gibt, wird selbst welche gemacht. Aber dieses ganze Gedöns mit „sich selbst finden“ – pfffffffff. Hab das vier Tage lang versucht, dann war das langweilig. Vielleicht bin ich nicht der Mensch, der sich auf sich selbst konzentrieren kann. Ich brauche da irgendwie Menschen dazu, die das für mich übernehmen – erst durch ihre Reflexion kann ich mich doch selbst erkennen. Ein Baum und ein See und ein Rentier reichen mir dafür nicht aus. Nach dem Tripp bin ich hinsichtlich dem „selbst finden“ zum Resumee gekommen: wer mich finden will, soll mich anrufen. Meine Telefonnummer ist zu erfragen.

DAS ist abends um ca. 23.30 Uhr!!!

DAS ist abends um ca. 23.30 Uhr!!!

Nun muss man aber nicht über Lappland herziehen, nur weil es für mich wenig zu bieten hat. Es gibt dort auch Dinge, die ich nicht missen möchte, erlebt zu haben: Rentiere sehen zum Beispiel. Als ich mit dem Bus den nördlichen Polarkreis kurz hinter Rovaniemi überquert habe, schaute ich auf die Uhr um zu wissen, wie viele Minuten es dauerte, bis man das erste Rentier sieht. Recht schnell sieht man die vielen Schilder an den Straßen, die vor kreuzenden Tieren warnen. Doch selbst waren die Viecher nicht zu sehen. Doch noch 44 Minuten tauchten zwei der weiß-grauen Riesen-Kühe auf – sie standen einfach so auf einer riesigen Wiese neben der Straße, kurz vorm Waldesrand und fraßen. Völlig ruhig und unbeeindruckt vom bisschen Verkehr, der an ihnen vorbeirauschte. Das zweite was faszinierend dort oben ist, sind die Lichtverhältnisse.

Saariselkä auf dem 68. nördlichen Breitengrad - gerade mal 300km vom Nordkap entfernt (Karte by: maps for free)

Saariselkä auf dem 68. nördlichen Breitengrad - gerade mal 300km vom Nordkap entfernt (Karte by: maps for free)

Saariselkä, der Ort in dem ich war, liegt im 68. nördlichen Breitengrad. Dortmund hingegen liegt auf dem 51. nördlichen Breitengrad. Zwischen jedem Breitengrad sind etwa 111km Entfernung. Die Distanz wird einem sehr gut bewusst gemacht, wenn man Sonnenauf- und -untergang vergleicht. In Deutschland geht die Sonne gegen 6.oo Uhr auf und 21.oo Uhr unter. In Jyväsyklä geht sie eine Stunde früher auf und eine halbe Stunde später unter. In Saariselkä, noch weitere 1000km nördlich, findet der Sonnenaufgang um 3.59 Uhr (2. Mai 2011) statt und die Sonne geht wieder um 22.17 Uhr (ebendem) unter. Nun ist es ja bekannter Maßen dann nicht sofort hell bzw. dunkel, sondern es gibt noch die Dämmerung, die einige Zeit dauert. Ich war völlig überrascht, dass es wirklich nur von etwa 1 Uhr nachts bis 2 Uhr morgens so etwas wie Dunkelheit dort oben gibt. Nur sehr ungenau konnte ich mir vorstellen, wie dann Mitternachtssonne dort ausschaut. Faszinierend. Zum Glück gibt es dort vor jedem Fenster dicke Vorhänge, die eine künstliche Dunkelheit in der Nacht erzeugen können.

Das wichtigste, warum ich aber freilich überhaupt nach Lappland gefahren bin: ich wollte den Schnee wieder haben – und davon gab es dort zum Glück noch genügend.

SCHNEE!!! Das schönste, was es in Finnland gibt!

SCHNEE!!! Das schönste, was es in Finnland gibt!

So stell ich mir eine Karriere-Laufbahn vor

So stell ich mir eine Karriere-Laufbahn vor

Blick vom Kaunispää

Blick vom Kaunispää

Eine Tour führte mich auf den Kaunispää, eine etwa 480m hohe Erhebung nicht weit von Saariselkä entfernt. Dort oben hat man einen wunderbaren Blick über die Region – besser gesagt: über nichts. Aber dieser Ausblick in alle Richtungen – ja ich gestehe – der hat mich echt tief beeindruckt. Zum Glück gab es dort oben ein gemütliches Restaurant und ich habe den gesamten Tag dort verbracht – bei tollstem Sonnenwetter.

auf dem Kaunispää in Saariselkä

auf dem Kaunispää in Saariselkä

DAS war perfekt in Lappland!

DAS war perfekt in Lappland!

Idylle? - Vielleicht für manche...

Idylle? - Vielleicht für manche...

Zum Schluss will ich noch ein paar Tipps hinterlassen, falls jemand von euch nach Lappland reisen will. Zwei Methoden will ich vorschlagen.

1. mit dem Wohnmobil. Startet in Rovaniemi mit dem Wohnmobil und fahrt die Europastraße vier in den Norden nach Ivalo und Inari. Haltet ruhig an allen kleinen Dörfern und Seen an – sie lohnen sich alle für einen kleinen Aufenthalt. Von Inari aus lohnt sich ein Ausflug zur Barentssee (über Russland oder Norwegen) und freilich ans Nordkap (Norwegen). Für die ganz Mutigen unter euch könnt ihr dann über Norwegen und Schweden wieder zurück in den Süden kehren. Beachtet den Fährverkehr von Schweden nach Oulu, Finnland – von dort geht es recht einfach in zwei Stunden nach Rovaniemi zurück.

2. der Kurztripp: Es gibt einen kleinen Flughafen in Ivalo, der von Helsinki aus angeflogen wird. Von dort könnte man sich ein Auto mieten und ebenfalls durch die Region reisen. Sich auf den öffentlichen Personennahverkehr zu verlassen, ist wenig ratsam. Es gibt keine Züge, sondern nur Busse und Fernbusse. Das Netz ist gut, jedoch nicht für spontane Reisen geeignet. Deswegen ist ein Auto von Vorteil.

Zum Schluss noch eine Empfehlung, wenn jemand mal das Gefühl haben will, wie es ist, durch Lappland (Baum, Baum, See, Fels, Rentier, Baum, Baum, …) zu reisen: tapeziert eine drehende Litfaßsäule mit Wald-Foto-Tapete und setzt euch seitlich dazu, bleibt vier Stunden davor sitzen und ihr habt genau das gleiche Gefühl, wie wenn man durch Lappland reist. Je nach Saison könntet ihr euch Tapete mit Sommer- oder Wintermotiv besorgen.

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