Helsinki als Gegensatz zur finnischen Provinz

endlich ne Stadt mit mehr als 200.000 Einwohner - und Touristen!

endlich ne Stadt mit mehr als 200.000 Einwohner - und Touristen!

Das letzte Wochenende war es hier etwas mau gewesen – das tut mir leid, aber ich habe eine gute Entschuldigung: die finnische Hauptstadt musste meinerseits beehrt werden – nach drei Monaten wurde das endlich mal Zeit – und genau diese habe ich jetzt ja. Glücklicher Weise ergab sich der Umstand, dass ein Freund aus Düsseldorf – der ebenfalls Basti heißt – Lust hatte, mich zu begleiten. Also holte ich ihn am Donnerstag am Flughafen Vantaa ab und wir checkten als erstes in unser kleines süßes Hotel (FinnHotel) mitten in der Stadt ein. Das Hotel befand sich in der fünten und sechsten Etage des Hauses, gegenüber des Torni-Gebäudes. Die Flure und Gänge waren in schwarz und rot gehalten und macht vom Design schon einiges Herr. Hinter den Zimmertüren ging es dann etwas schlichter zu – aber wir wollten eh weniger Zeit im Hotelzimmer als in der Stadt verbringen.

Eingangsbereich zum Hauptbahnhof von Helsinki

Eingangsbereich zum Hauptbahnhof von Helsinki

Mit einer guten halben Million Einwohner zählt Helsinki als Hauptstadt zu den Metropolen Finnlands – nun bin ich als Kosmopolit freilich andere Maßstäbe gewohnt, aber man soll ja immer für neues offen sein. Und nach den mehreren Wochen in der mittelfinnischen Provinz war ich mehr als offen für jedes Dutzend mehr Menschen. Schon allein deswegen hat sich Helsinki behaupten können. Es war wundervoll wieder in einer Stadt zu sein, in der es öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gibt, der nicht nur aus Bussen besteht, in der auch nach neun Uhr abends noch Menschen auf der Straße sind, in der es mehr als ein Stadtzentrum gibt, in der es einen großen Hafen gibt, in der es eine Auswahl an Bars und Clubs gibt, in der es schwule Cafes und Bars und Clubs gibt, in der es Designer gibt, in der es Touristen gibt, in der es Spaß macht, sich chic anzuziehen nur um mal kurz zum Bäcker zu gehen (ich glaube auch über diesen Wandel aufgrund von Jyväskylä muss ich mir noch mal Gedanken machen… aber erst später).

Straße im Design-Distrikt von Helsinki - mit schöner alter Straßenbahn

Straße im Design-Distrikt von Helsinki - mit schöner alter Straßenbahn

Natürlich habe ich Helsinki als lebendige, quirlige und schnell voranschreitende Stadt erlebt. Ich bin mir aber nicht sicher, ob dieser Eindruck nicht einfach aufgrund von Jyväskylä entstanden ist. Vielleicht hätte ich die Stadt als ruhiger empfunden, wenn ich direkt aus dem Ruhrgebiet hier hergekommen wäre. Vorstellbar ist es zumindest für mich. Nichts desto trotz ist die finnische Hauptstadt einen Besuch wert: der Hafen, die vorgelagerten Inseln, das Designviertel, Stockmann, der Dom, das ehrwürdige Altstadtviertel, seine Bars und Clubs, die Menschen, die alten tatrigen Straßenbahnen in grün und braun, die kleinen Cafes – und ja, auch die gesottenen Preise sind erlebenswert. Ich bin ja eigentlich ein Mensch, der als erstes beim Essen spart – aber in Helsinki hab ich glaube ich das meiste Geld fürs Essen ausgegeben. Doch dank bester Gesellschaft fiel mir das gar nicht schwer.

wer aufmerksam durch Helsinki läuft, fühlt sich wie in einer Filmkulisse zu "Metropolis"

wer aufmerksam durch Helsinki läuft, fühlt sich wie in einer Filmkulisse zu "Metropolis"

In Helsinki lernt man wahnsinnig schnell Leute kennen: bereits am ersten Abend waren wir in dem kleinen (laut Stadtmagazin unter Medienleuten und Künstlern heiß gebliebten) „No. 9“ und lernten zwei Frauen aus Zürich, Schweiz, kennen. Die eine kam direkt aus Zürich angeflogen, und zwar um ihre Freundin abzuholen, die gerade aus Moskau gekommen war. Ihre Anreise dauerte aber noch länger – denn bereits den Weg von Peking (ihr eigentlicher Startpunkt) nahm sie mit der Transsibirischen Eisenbahn. Ihre Geschichten waren sehr witzig und spannend und wir hatten einen netten Abend. Um den Platz neben den beiden freundlichen Schweizerinnen zu erhalten – aber eigentlich auch um überhaupt einen Platz zu erhalten – mussten wir ein Weilchen warten. Das lag wohl nur zu einem geringen Teil an der Bar selbst. Denn wie wir an den folgenden Abenden feststellten ist es gar nicht so einfach in Helsinki spontan einen Tisch zu bekommen. Es ist die denkbar schlechteste Idee, in Helsinki auf gut Glück durch die Straßen und Viertel zu ziehen und zu hoffen, ein nettes Lokal mit Platz für vielleicht sogar mehr als zwei Personen zu finden. Mein Tipp: informiert euch vorher, wo reizende Restaurants oder Bars sind und versucht einen Tisch zu reservieren. Am besten solltet ihr zwei Tage vorher damit beginnen.

Da meine Reiseagentur (ich) das für unsere Reisegruppe (Basti und Basti) nicht bedacht hatte, war es schon ein kleines Erlebnis, abends einen Platz im Restraurant zu finden. Am Samstag musste dieses Abenteuer zwingend verhindert werden, weil wir zu siebend unterwegs waren: meine Nachbarin Karin war mit ihrer Schwester in der Stadt und ebenfalls die gute Gepke mit ihren Geschwistern. Also suchten wir am frühen Abend ein Restaurant und versuchten Plätze zu reservieren. Nach mehreren Absagen und nicht funktionierenden Verbindungen fanden wir in einem russischen Lokal einen Tisch für sieben Personen. Was wir dort erlebten, war filmreif – das könnt ihr am besten hier nach lesen.

einer der vier Häfen von Helsinki

einer der vier Häfen von Helsinki

Neben dem ganzen Essen waren wir noch shoppen, Dom, Schweden-Theater, Esplanade und Hafen angucken und freilich falls ich es noch nicht erwähnt habe, gaaaaaaaaanz viel shoppen und Zeit genießen. Vor allem das letzte war das tollste: es schwirrte nichts in meinem Kopf rum (keine Arbeit, keine Uni, keine Termine etc.) – Basti und ich konnten einfach so in den Tag hineinleben. Kaffee trinken bei schönstem Sonnenschein, mit Sonnenbrillen auf grünen Bänken auf kleinen Inseln sitzen und am Straßenrand Leute vorbei ziehen lassen. Es war ein tolles Gefühl! Schade, dass es jetzt schon wieder vorbei ist.

In anderen Berichten, die noch folgen, werde ich euch von dem russischen Abend in Helsinki, von der Schwulenszene der Stadt und freilich vom Ausflug nach Tallinn (Estland) berichten. Dafür bitte etwas Geduld. Danke im Voraus!

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