Eins, zwei, katholisch, blond, bisexuell, zwei Autos, vier Frösche…

Wir werden gezählt. Seid ihr schon davon betroffen? Falls ihr es nicht mitbekommen habt – ich gestehe, an mir ging es auch fast vorüber – Deutschland befindet sich grad in einer Volkszählung. Das ist das Ding mit dem „Wir-zählen-alles-und-fragen-dich-über-dich-und-deine-Nachbarn-aus“, was es (zumindest in der BRD) zuletzt 1987 gab. In der DDR fand das wohl kontinuierlich statt – da hieß es aber nicht Volkszählung, sondern Staatssicherheit. Und viel zu viele Personen haben mitgemacht. Zum Glück konnte es bereits mehrmals in den 1990er verhindert werden und auch 2000/2001 war Deutschland neben Schweden eines von zwei Ländern der EU, die nicht mitgemacht haben. Was hat das denn mit der EU zu tun? Der Zensus11 – so der trendige Name der Volkszählung – ist auf Ideen der EU gewachsen und mal mit zu bekommen, was eigentlich im Reich los ist. Die Bundesregierung (damals noch CDU/CSU und SPD) hat bereits 2006 entschieden, dass es die Volkszählung 2011 geben wird. Das war immerhin früh genug, damit sich kaum einer dafür interessiert oder es die meisten wieder vergessen (vielen Dank ihr Medien!).

auf dem Weg zum gläsernen Bürger

auf dem Weg zum gläsernen Bürger

Immerhin gibt es aber doch noch einige, die das Thema ergriffen haben. Ich bin be dradio aufmerksam geworfen. Da musste man nicht mal lesen, sondern konnte sich das meiste auch noch tauglich anhören. Freilich recherchierte ich weiter, weil es mich schon sehr interessiert, was da passiert auf dem Weg zum viel berufenen gläsernen Bürger. Und schau da, es gibt einiges im Netz, was sich lohnt zu lesen. Die taz hat bereits letztes Jahr im August beschrieben, was passiert, wenn man nicht mitmacht: man muss bis zu 150 Euro Strafe zahlen (wie war das mit freiwilliger Teilnahme und Auskunftgabe? ähm ja… das sieht dann wohl anders aus). Einen ersten Überblick zur Kritik der Zensus11 gibt es im Blog von Netzpolitik. Wer noch mehr wissen will, kann sich auf den Anti-Blog Zensus11 vom AK Vorratsdatenspeicherung umsehen.

Um die geübte Kritik sollte man sich den Fragebogen zu Zensus11 ansehen. Hier gibt es ein Musterbeispiel.

Ausschnitt eines Musters des Fragebogen für Zensus2011

Ausschnitt eines Musters des Fragebogen für Zensus2011

Um die andere Seite auch noch zu Wort kommen zu lassen, will ich auf einen Kommentar von J. Jessen oder nennen wir ihn zur Anonymisierung lieber Jens J. von der ZEIT hinweisen. In knappen zwei Minuten längt er wunderbar vom Thema ab, beschwichtigt die Volkszählung und wettert fleißig gegen Google und Facebook (nicht dass ich diese Na*i-Vereine gutheißen will, aber der Vergleich hinkt). J. Jessen vergleicht die Volkszählung Zensus11 doch wirklich mit der von 1987. Entschuldigen Sie, geehrter Herr, aber sie haben mitbekommen, dass in den über 20 Jahren einiges an Entwicklung (sowohl positiv als auch negativ) vor sich gegangen ist? Wir sollten keine Angst vor der Demokratie haben, wir sollten uns mehr vor privaten Unternehmen fürchten, wir könnten ja den Staat verklagen, aber nicht die ausländischen Unternehmen, dem Staat könnten wir schon blind vertrauen – entschuldigen Sie bitte noch einmal, aber ums deutlich zu sagen: HACKTS?????? Jemand von der Zeit sollte um einige Zacken kritischer – erst recht – dem Staat und jeglicher Organisation gegenüber stehen. Die Abschweifung auf private Unternehmen wirkt sehr hilflos.

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Eine Antwort zu Eins, zwei, katholisch, blond, bisexuell, zwei Autos, vier Frösche…

  1. Steffen Oehme schreibt:

    Voll Cool, habe schon lange nicht mehr so eine tolle Seite gesehen.

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