Suomi – Suomesta – Suomessa – Suomeen

Die Wörter in der Überschrift haben alle etwas mit „Finnland“ zu tun. Doch was wohl? Nun, ich will es gleich erklären. Am Anfang hier in Finnland und besonders im Sprachkurs fühlte ich mich wohl mit finnisch, weil es eine unglaublich witzige Sprache ist. Doch nun sind wir so weit voran gekommen, dass wir von dem witzigen „moi“s und „mitä kuuluu“s weg sind und ans Eingemachte gehen. Das Eingemachte ist in diesem Fall freilich die Grammatik.

Wie schon mal vor einiger Zeit geschrieben haben es die Finnen nicht so mit Präpositionen (Was ist das noch mal? Achja: mit, zu, in, von, aus, nach, – ihr erinnert euch?), sie schließen lieber Endungen an oder benutzen für ganze Sätze einfach nur ein Wort. Seit drei Monaten lerne ich nun schon Finnisch und muss gestehen, ich sollte freilich mehr machen – aber immerhin kann ich andere und mich vorstellen, einkaufen gehen, SmallTalk führen und über andere Menschen lästern – also die Grundausstattung ist vorhanden. Essen und Bier kann ich auch bestellen. Doch freilich ist das nicht alles.

ob mit -ssa, -sta oder Vokal und n - ich bin mir da nie so sicher...

ob mit -ssa, -sta oder Vokal und n - ich bin mir da nie so sicher...

Heute zum Beispiel haben wir uns mal genau mit den Endungen -sta, -ssa und -a/e/i/o/u-n (oder einfacher: „wiederhole den Vokal am Ende des Wortes und füge ein n an, falls am Ende kein Vokal ist, füge ein i, ä oder e ein und schließe ebenfalls das n an – fertig“) beschäftigt. Sie ersetzen die kleinen Wörter von, nach und in, die andere Sprachen gerne benutzen. Greifen wir das Beispiel „Finnland“ wieder auf. Finnland heißt auf finnisch „Suomi“. Möchte ich sagen, dass ich nach Finnland gehe, sage ich: „Mä menen Suomessa“ (wörtlich übersetzt: Ich gehe Finnland-nach). Wenn ich sage, dass ich aus Finnland komme: „Mä tulen Suomesta“ und wenn ich sage, dass ich nach Finnland gehe, heißt es: „Mä menen Suomeen“ (hoffentlich hab ich das jetzt richtig geschrieben, sonst habe ich es schon wieder vergessen, was ich heute gelernt habe). Die tolle Tabelle auf dem Bild soll ein bisschen verdeutlichen, wie man das am besten übt. Nun wäre Finnisch aber nicht Finnisch und hätte nicht den Ruf, eine der schwersten Sprachen zu sein, wenn es nicht nur einen Haken, sondern mehrere gäbe. Erstens gibt es von diesen Regeln freilich Ausnahmen für die Endungen. Zum Beispiel der Name der Stadt Tampere. Da wird nicht einfach -sta, -ssa und -en angehangen, nein, wir machen Ausnahmen und nennen es dann wie folgt: in Tampere – Tampereella, aus Tampere – Tampereelta, nach Tampere – Tampereelle. Es gibt noch ein paar andere finnische Städte, die eine Ausnahme sind, doch das geht. Zum Glück gibt es diese Ausnahme nicht für ausländische Städte. Aber es gibt es noch andere Worte, wo die Spielchen gespielt werden: Uni, Markt und auch bei Aktivitäten wie einkaufen gehen oder Kaffee trinken gehen.

Wer kein Finne ist, sollte das in der Geldbörse haben: eine Tabelle die zeigt, wie Konsonantenwechsel funktioniert.

Wer kein Finne ist, sollte das in der Geldbörse haben: eine Tabelle die zeigt, wie Konsonantenwechsel funktioniert.

Neben den geliebten Regeln und Ausnahmen gibt es noch Regeln für die Regeln, erst recht dann, wenn in Wörtern zum Beispiel „kk“, „pp“, „tt“ „k“, „p“, „t“, „nk“, „mp“, „lt“, „nt“ oder „rt“ verwendet werden. Hm, Wörter wie „apteekki“ oder „kirkko“ oder „luento“ zeigen, dass es sehr oft vorkommt – vielleicht sogar in der Mehrheit der Wörter. Da es den Finnen zu anstrengend ist, zwei Ks auszusprechen, wenn danach ein I mit SSA folgt, streichen sie ein K raus und benutzen nur noch eins. Finnische Erklärung dafür: „Warum soll man sich anstrengen?“ Öhm… ja. Dieses hübsche Spielchen nennt man „Konsonantenwechsel“ – freilich ist das für die Melodie in der Spreche. Mir fällt gerade nicht ein, ob wir so etwas im Deutschen haben. Alle Wechsel zwischen „ß“ und „ss“ haben einen anderen Grund.

Naja, falls ihr noch mitkommt: Neben den Ausnahmen für die Endungen gibt es aber auch Ausnahmen für ganze Wörter. Bei denn reicht dann nicht mehr der Konsonantenwechsel aus, da muss schon das ganze Wort ausgetauscht werden. „työ“ (Arbeit) ist so ein Fall. Hier kann man nicht einfach die Endungen oder die Ausnahmen der Endungen anhängen, nein, hier es heißt es „töissä“ (auf Arbeit), „töistä“ (von Arbeit) und „töihin“ (zur Arbeit). Ich verschone euch jetzt aber lieber, dass Finnen das ganze nicht nur mit Orten und Plätzen, sondern auch mit Aktivitäten wie Kaffee trinken, einkaufen gehen, Bücher lesen, studieren und so weiter machen. Ebenfalls mit Ausnahmen der Endungen, Ausnahmen der Regel, der Regel selbst und Konsonantenwechsel. Oy.

Punkte über Buchstaben sind im Finnischen unglaublich wichtig!

Punkte über Buchstaben sind im Finnischen unglaublich wichtig!

Achja, falls ihr noch nicht erschlagen und gelangweilt seid, hier noch etwas mehr: Woher wissen die Finnen eigentlich, ob sie ein a, o, u oder ä, ö oder y (halt das Ersatz-ü) verwenden sollen? Das ist gar nicht so schwer, wenn man es sich als Wettkampf vorstellt. Eine Gruppe sind die alle ohne Punkte drüber, die anderen sind die Mitte Punkte. In der Mitte stehen e und i. Besitzt das Wort einen Buchstaben von denen ohne Punkt, wird auch bei den Endungen immer etwas ohne Punkt verwendet. Ist auch nur einer von der anderen Partei im Wort, werden Punkte verwendet. Sind aber nur e und i (und freilich gern auch mehrfach) im Wort, dann werden Punkte verwendet, weil die eigentlich neutralen in der Mitte parteiisch sind – zu ä, ö und y (Ersatz-ü). Schweinerei! Diskriminierung!

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