Ab jetzt bin ich finnisch…

feiernde Finnen - und morgen weiß keiner mehr was

feiernde Finnen - und morgen weiß keiner mehr was

Vor zwei Wochen bin ich aus Russland zurückgekommen – von einem traumhaften Tripp nach St. Petersburg und Moskau. In der Woche danach fiel ich tief – in ein mattes Tal aus Antriebslosigkeit, Faulheit und Müdigkeit. Ich schlief sehr viel, unternahm wenig und fühlte mich jeden Tag unwohler. Ich dachte mir, dass es vielleicht an dem Russland-Tripp liegt, dass er mich viel Kraft gekostet hat und dass ich einfach Schlaf nachholen musste, um meine Akkus wieder aufzuladen.

Freitagnacht: kippis!

Freitagnacht: kippis!

Doch dem war nicht so – zumindest war das nicht der einzige Grund für die Trägheit, die ich nicht los wurde. Denn nach dem faulen und ruhigen Wochenende hatte ich die kommende Woche zu nichts mehr Lust. Mich kotzte der Schnee an, die Menschen, die Stadt, die Umgebung, das Essen, die Zeit, die Bäume, die Wege, die Lage, die Luft, – einfach alles. Sämtlicher Glitzer des schönen Lebens war verflogen und ich überlegte mir ernsthaft, wann ich das Land wieder verlassen könnte werde.

beliebter Spielkumpan in Finnland: Looping Louis

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Am Freitag war dann beschlossen, dass es mal wieder Zeit war, richtig besoffen zu werden und all diese Gedanken der Heimreise und des Faulseins zu vertreiben. Die M-Building-Party kam da genau richtig. Wir verkleideten uns, tranken viel, lachten viel, tanzten die Nacht und lagen den ganzen Samstag mit Kater im Bett – so wie es sein musste. Am Sonntag klärte sich der Nebel in meinem Kopf wieder und es konnten neue Gedanken erstellt werden. Bei nem Kaffee dachte ich über die letzten zwei Wochen nach: was war passiert mit mir? Warum wollte ich weg aus Finnland? Warum vermisste ich die geliebten Menschen in Dortmund und der Welt? Warum hatte ich Jyväskylä satt? Lag es einzig und allein an der Größe (oder „Kleine“) der Stadt?

Es war weder das eine noch das andere – was ich die zwei Wochen durch gemacht habe, war der nächste Schritt beim Finnisch-werden. Wie ihr das verstehen sollt? Ich erkläre es euch: In einem Land mit zwei Millionen Saunen, Rentierkäse und keinen Elefanten leben etwa fünf Millionen Menschen – auf einer Fläche so groß wie Deutschland, wo etwa 74 Millionen Menschen leben – die größte Stadt ist die Hauptstadt, die aber gerade mal 500.000 Einwohner (und ebenfalls keine Elefanten) hat. Finnen sind fleißige Menschen: sie arbeiten viel, studieren schnell und aufwendig, haben viele Hobbies für jedes Wetter. Die Woche von Dienstag bis Freitagmittag geht für sich vollkommen auf mit Arbeit und Hobbies. Am Wochenende haben die Finnen dann Zeit für andere Sachen. Dabei stellt sich die Frage: für was? Nun ja, das wissen die Finnen selbst nicht so wirklich. Es bleibt nicht viel außer Freunde, Familie – und dann? Finnen sind nicht gerade gesprächig, also werden sie sich nicht einfach hinsetzen und stunden- oder tagelang reden. Was kann man aber noch tun? Sie sind schüchtern und zurückhaltend, stellen aber trotzdem gerade am Wochenende ne Menge Blödsinn an – wie funktioniert das? Ganz einfach: sie sind von Freitagnachmittag bis Montagmittag stockbesoffen. Das hat zwei Vorteile: man hat Spaß und merkt nicht, wie monoton das Leben ist. Am Dienstag hat man dann eh alles vergessen und wenn am Mittwoch jemand ankommt und vorschlägt, sich am Freitag zu treffen und zu trinken freuen sie sich so, als ob es das erste mal wäre. Dass sie genau das gleiche schon am letzten Wochenende gemacht haben, wissen sie dabei nicht mehr. The finnisch way of life. Da bin ich jetzt wohl angekommen – ich werde finnisch.

Es mag einem jetzt sicherlich oberflächlich und pauschalisiert klingen – aber Junx und Mädelz, das ist nun mal die Wahrheit. Willkommen in Finnland.

so lässt sich Finnland ertragen: besoffen und mit Spaß dabei
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