Henri Tajfel – eine faszinierende Persönlichkeit

Heute lernte ich während einer Vorlesung eine faszinierende Persönlichkeit kennen – oder zumindest bekam ich einige Anekdoten von ihm erzählt. Doch die haben ausgereicht, um mich in seinen Bann ziehen zu lassen. Es handelt sich um den Sozial-Forscher Henri Tajfel, der eigentlich mit dem Namen Hersz Mordche Tajfel geboren wurde. Er war polnischer Jude und begann in Frankreich Chemie zu studieren. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach musste er seine Identität ablegen und eine neue annehmen: der Franzose Henri Tajfel war geschaffen. Er überlebte den Zweiten Weltkrieg.

Wir alle wollen Gruppe sein. (Bild: flickr/*Micky)

Wir alle wollen Gruppe sein. (Bild: flickr/*Micky)

Als er nach 1945 nach Polen zurückkehrte, fand er keinen seiner Verwandten mehr – alle waren im Holocaust ums Leben gekommen. Tajfel kehrte zurück nach Paris und fragte sich, wie Menschen so grausam sein können und warum sie was im Krieg machen. Er warf seine Chemiker-Karriere über Bord und begann verschiedene Disziplinen der Sozialwissenschaften in Paris zu studieren. Besonders beschäftigte ihn, warum Menschen etwas mit anderen machen – und freilich wie. Dazu machte er simple, aber unglaublich aufschlussreiche Experimente. So teilte er Gruppen in zwei kleinere Gruppen ein, verpasste ihnen eine Gemeinsamkeit (z.B. das gleiche T-Shirt) und gab ihnen weitere Aufgaben. Dann konnte er beobachten, dass die Mitglieder einer Gruppe sich stets unterstützten und bevorzugten, während sie gegenüber den anderen Mitglieder richtig grausam und fies wurden. Und das alles nur, weil sie das gleiche T-Shirt anhatten. Tajfel wollte damit zeigen, dass die Zugehörigkeit einer Gruppe unabhängig von der Nationalität, Persönlichkeit, Erziehung, Kultur, Geschlecht, Hautfarbe und so weiter ist. Es ist also etwas sozial-konstruiertes. Mithilfe dieser Experimente erschuf er seine Theorie der sozialen Identität.

Eine tolle Biografie. Wow. Ich bewundere diesen Mann, dass er sich von seiner geplanten Karriere hat abbringen lassen, weil ihn etwas anderes so sehr nachzudenken gegeben hat. Und dann wurde er so erfolgreich damit. Echt toll. Respekt, Mon. Tajfel.

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