Russland – Teil VI: der erste Tag in Moskau

mein erster Blick auf die russische Hauptstadt Moskau

mein erster Blick auf die russische Hauptstadt Moskau

Mit dem Nachtzug ging es von St. Petersburg nach Moskau, erstaunlicher Weise sogar ohne große Verspätung – sehr zu meiner Überraschung. Bei strahlendem Sonnenschein, leicht verkatert und mit einem dürftigen Frühstück im Magen erreichten wir die russische Hauptstadt. Als wir den Bahnhof verließen und den Vorplatz erreichten, konnte ich einen ersten Blick auf die Stadt werfen und war sofort verliebt. Ich weiß nicht genau, was mich so begeistert hat: das Wetter, die Ansicht, die Größe, der Verkehr, das Leben, der Trubel, der Puls, das Chaos – evtl. das Zusammenspiel von allem… eins ist gewiss: ich war sofort im Bann dieser Stadt.

Putin, ich bin da!

Putin, ich bin da!

Auch die sofort statt findende Stadtrundfahrt entfachte weiter mein Feuer: Häuser jeglicher Art und Bauweise, moderne Hochhäuser neben uralten, traditionellen, fast zerfallenden Häusern, alte Ladas zwischen Bentleys und BMWs, arme und reiche Leute, kapitalistische Einkaufshochburgen neben kleinen russischen Gemüseläden, alte Strombusse fahren unter einer Monorail-Bahn durch, kommunistische Gedenkstätten neben moderner Kunst im Dialog mit der Öffentlichkeit – was für ein Chaos, was für eine Faszination! Wir fuhren zum Roten Platz, sahen St. Basil, das GUM, den Kreml, Lenins Mausoleum, hunderte von Kirchen und Stadien, fuhren auf den Berg der Universität und hatten einen wunderbaren Blick bei traumhaften Wetter über die Stadt. Da oben bekam man so langsam ein Gefühl davon, welche Außmaße diese Metropole eigentlich hat. Ich war hingerissen!

fasziniert von Moskau

fasziniert von Moskau

Hotel "Cosmos" direkt am Prospekt Mira

Hotel "Cosmos" direkt am Prospekt Mira

Nach den wunderbaren ersten Eindrücken der Hauptstadt machten wir uns auf den Weg zu unserm Hotel. Es lag direkt am ehemaligen Ausstellungsgelände, heute ein Museum für Raumfahrt und Kosmonauten. Das Hotel hieß „Cosmos“ und war ein Baudenkmal für den Kommunismus. In der Einfahrt des Hotels war eine etwa 10m hohe Steinsäule, auf der ein Mann abgebildet war, der aussah wie Charles de Gaulle. Als wir unsere Führerin fragten, warum in Front dieses Hotels eine Statue vom ehemaligen französischen Präsidenten stand, sagte sie schlicht: „Das ist nicht de Gaulle, das ist der erste Russe im Weltall.“ Anais und ich schauten uns an und konnten nicht aufhören zu lachen.

Metro-Haltestelle WDNCh vor unserem Hotel

Metro-Haltestelle WDNCh vor unserem Hotel

Im Hotel blieb uns gerade mal etwas mehr als eine Stunde um eine Dusche zu nehmen und die Sachen auszupacken, dann ging es schon wieder los – und zwar zur Metro-Tour. Nicht nur weil ich schon wusste, dass die U-Bahn-Haltestellen der Moskauer U-Bahn besonders schön sind, war es für mich ein Highlight. Nein, ich wollte unbedingt diese Tour machen, weil ich bereits das Buch „Metro 2033“ (und später den dazugehörigen Film) verschlugen habe. Darin geht es um eine fiktive Geschichte: Amerika und Russland haben die Welt mit Atombomben zerstört, auf der Erdoberfläche leben nur noch Mutanten und Monster. Lediglich die Menschen, die in der Metro waren, haben überlebt und kämpfen nun ums Überleben im Untergrund. Die Geschichte um den jungen Artjom, der an der Haltestelle WDNCh lebt, ist für mich unglaublich spannend gewesen. Der Hit an der ganzen Geschichte: diese Haltestelle war genau vor der Haustür des Hotels!!!

Metro-Station Komsomolskaja: bekannt als eine der schönsten Stationen

Metro-Station Komsomolskaja: bekannt als eine der schönsten Stationen

Mit einem Gruppenticket betraten wir das Metrosystem und stiegen als erstes auf die Rolltreppe, die uns gefühlte 200 Meter in den Untergrund trug. In Wahrheit waren es nur etwa 80 bis 90 Meter. Aber ich war begeistert. Stalin baute alle Stationen der Metro als Paläste, weil er sich sagte: auch das Volk soll einen Schatz haben, den sie nutzen können. Also wurde jede Station besonders aufwendig gestaltet: mit Gold, mit Mosaiken, Marmorstatuen, Bildern, Kronleuchtern und so weiter.

ein Mann liest in der Moskauer Metro eines meiner Lieblingsbücher "Metro 2033"

ein Mann liest in der Moskauer Metro eines meiner Lieblingsbücher "Metro 2033"

Nach dem uns erklärt wurde, was es mit den Stationen, Palästen, Zügen, Linien, Bildern etc. auf sich hat, durften wir dann endlich auch mit der ersten U-Bahn fahren. Unsere Führerin erklärte uns noch, dass wir uns keine Sorgen machen sollen, wenn wir einmal eine Bahn verpassen. Die Führerin zeigte uns vor jedem Zug an, wie viele Stationen wir weiter fahren, verpasste man eine Bahn, brauchte man nur etwa 30 Sekunden warten und schon war die nächste Bahn da und man konnte hinterherkommen. In der ersten Bahn machte mich Anais auf einen alten Mann in der Ecke aufmerksam, der ein Buch las. Erst wusste ich gar nicht, was sie wollte, doch dann schaute ich genauer und erkannte es: der man las „Metro 2033“ auf russisch. Ich musste einfach ein Bild davon machen.

Metro Moskau

Metro Moskau

Metro Moskau

Metro Moskau

unendlich lange Rolltreppe zur Metro Moskau

unendlich lange Rolltreppe zur Metro Moskau

Opernsaal des Bolschoi-Theaters in Moskau

Opernsaal des Bolschoi-Theaters in Moskau

Direkt mit der U-Bahn ging es dann auch zum nächsten Programmpunkt: der Besuch einer Vorstellung im weltberühmten Bolschoi-Theater. Auf dem Spielplan stand „Wozzeck“ von Alban Berg, eine Oper in drei Akten, auf deutsch, mit russischen Untertiteln. Wenige Minuten vor Vorstellungsbeginn erfuhren wir, dass unsere Tickets vom Schwarzmarkt waren, aber das kümmerte keinen Russen. Was solls. Die Oper wurde modern inszeniert, das Bühnenbild erinnerte an einen Fernseher, auf dem man umschalten konnte. Leider war es eine schlechte Vorstellung, was keineswegs am Orchester lag (die spielten fabelhaft), jedoch versagten die Sänger: sie waren dem Orchester nicht gewachsen und ihre Stimmen klangen zögerlich, verhalten und gar schüchtern. Leider war es deswegen auch nicht einfach, den deutschen Text zu verstehen. Das mein Urteil nicht vollkommen daneben lag, merkte man daran, dass bereits nach den ersten Szenen mehrere Dutzend Besucher den Saal verließen. Der Applaus zum Abschluss war wohl eher verhalten als hinreißend. Nichts desto trotz war es toll, im weltberühmten Bolschoi-Theater zu sein und sich von der Architektur begeistern zu lassen.

Bolschoi-Theater

Bolschoi-Theater

Deckenschmuck im Bolschoi-Theater

Deckenschmuck im Bolschoi-Theater

Eingangsbereich des Bolschoi

Eingangsbereich des Bolschoi

Dieser unglaublich lange, ereignisreiche erste Tag in Moskau hatte auch nach dem Besuch des Bolschoi-Theaters noch kein Ende: kurz vor Mitternacht stand noch die Nachtbus-Tour durch die Hauptstadt an. Die wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Die russische Hauptstadt bei Nacht zu erleben, ist ein besonderes Erlebnis: wunderschön beleuchtete Gebäude, tausende Menschen auf den Straßen, boomendes Leben bis spät in die Nacht – Moskau ist wirklich eine Stadt, die niemals schläft. Daran änderte auch nichts der einsetzender Schneefall.

das GUM bei Nacht

das GUM bei Nacht

der Rote Platz und Kreml - hell ausgeleuchtet

der Rote Platz und Kreml - hell ausgeleuchtet

Moskau - von einer seiner schönsten Seiten

Moskau - von einer seiner schönsten Seiten

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