Tatort in Finnland – ohne Fernseher

Dass es keinen Tatort oder anderen Fernseh-Krimi gibt, auf den die meisten Finnen abfahren und es trotzdem leugnen, außer sie sind besoffen, glaube ich noch nicht ganz. Ich kann man an eine Situation recht am Anfang meines Aufenthaltes erinnern, da war ich nach DVDs suchen und fand ein haufen Cover mit komischen alten Männern in grauen Mänteln und Hüten, die in diesem Aufzug stark an Columbo und andere Kommissare erinnerten. Aber davon wollte ich nicht erzählen. Es ging eher um eine Veranstaltung, die ich durch Zufall einen Sonntag entdeckte.

In ein kleines feines Café, welches sich über zwei offene Etagen ausbreitet, dunkel ausgeleuchtet und urig-gemütlich ist, stiefelten eine Freundin aus der Ukraine und ich des Sonntagsabends hinein um ein Bierchen und Cider zu trinken. Wir suchten uns eine gemütliche Couch in der oberen Etage und wunderten uns bereits als wir an den anderen Tischen vorbeigingen, dass alle Finnen vor sich ein Stück Papier (A4-Format) liegen hatten, auf das schon etwas gedruckt war und das sie von Zeit zu Zeit beschrieben. Maryna und ich setzten uns, bekamen die Getränke und beobachteten das Treiben gespannt. In einer Ecke in der unteren Etage saß ein Mann mit Mikro und laß etwas (freilich auf Finnisch) vor. Alle hörten gespannt zu, keiner sprach zum anderen, es lief keine Musik und niemand sang ein Lied (warum auch immer… oder auch immer nicht). Es war totenstill und nur die tiefe, rauchige Stimme des alten Mannes in der Ecke war zu hören. Ab und zu notierten die Zuhörer etwas auf ihren Zettel – ganz eifrig. Und wenn sie fertig damit waren hörten sie weiter aufmerksam zu. Sie haben das Zuhören nicht unterbrochen, als sie etwas aufschrieben – sie haben dann nur mit einem Ohr zugehört. Das konnte ich deutlich sehen.

Nach einigen Minuten fragten wir einen Sitznachbarn, was hier passiert. Er erklärte kurz und knapp – damit er ja nichts verpasst – dass der Mann unten einen Krimi vorlest und auf dem Zettel Fragen stehen, die man beantworten woll. Das witzige daran ist, dass die Fragen nicht vom Geschichtenmann beantwortet werden, sondern er gibt lediglich Hinweise und Anregungen und man muss seine eigene Fantasie benutzen, um sich Antworten auszudenken. Ganz toll!

Leider weiß ich nicht, wie es dann am Ende war, weil wir schon eher gegangen sind. Naja, ich muss wohl einen anderen Sonntag noch mal dort hin. Schließlich muss ich alles darüber wissen, um dieses grandiose Tatort-Spiel nach Deutschland zu importieren

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