Mun isoisoisoisoisä… mein Ur-ur-ur-Großvater

Finnisch ist eine unglaublich witzige Sprache. Die Finnen kennen keine Präpositionen sondern machen aus allem eine Endung. Hier gibt es keine Wort für „in“, „aus“, „von“, „für“ oder „mit“. Dafür gibt es „-ssa/ä“, „sta/ä“, „-n“ und so weiter. Finnen hängen einfach alles an. Da kann ein ganzer Satz schon mal aus einem einzigen Wort bestehen. Das passiert halt eben.

Auch was die Wortschöpfung angeht, sind Finnen sehr witzig. Sie übernehmen zwar einige Worte aus anderen Sprachen wie zu Beispiel fyssika (Phyisk), aber für andere denken sie sich etwas neues aus. So war es den Finnen vor einigen Jahrzehnten einfach zu wider, das Wort „Computer“ zu übernehmen. Also benutzen sie das Wort „tietokone“ dafür – wörtlich übersetzt: Wissens-Maschine. Ist nachvollziehbar, nicht oder? Was für einen Mitteleuropäer schwer klingt, ist für den Finnen recht simpel. Das Prinzip dahinter auch: was miteinander zu tun hat, sollte auch danach klingen. Ein Beispiel: im Deutschen weichen die Wörter „schreiben“, „Buch“, „Bibliothek“ und „Literatur“ sehr weit von einander ab, haben aber doch alle etwas miteinander zu tun. Man müsste schon sehr weit in der Wortgeschichte zurückreisen, um ihre Verbindung zu entdecken (wahrscheinlich was griechisches oder lateinisches mit litare – ich weiß es nicht). Die Finnen sind einfach: kirja (Buch) – kirjasto (Bibliothek) – kirjoittaa (schreiben/ein Buch verfassen) – kirjallisuss (Literatur). Wundervoll.

Dass Finnen lieber unter sich sind, merkt man daran, weil sie Fremde, die die Sprache lernen wollen, gern konfus machen. Ist es noch sehr einfach, den Großvater (isoisä) und seinen Vater – also meinen Urgroßvater (isoisoisä – also Großgroßvater) bzw. dessen Vater (isoisoisoisä Ur-ur-ur-Großvater – ich denke, dass Prinzip ist klar) zu benennen, so wird es bei eine restlichen Teil der Verwandtschaft recht eigenartig. Finnen haben unterschiedliche Worte für die Verwandtschaft der Mutter und des Vaters. So wird der Bruder des Vaters (also mein Onkel väterlicherseits) mit dem Wort „setä“ beschrieben, so gibt es für den Onkel mütterlicherseits das Wort „eno“. Nun will ich die Finnen nicht als rassistisch beschreiben, also nehmen wir einfach mal, dahinter stecken jahrhundertelange und teils brutale Familienfehden.

Ach noch etwas witziges: wenn der Finne einen Kater hat (nicht das Tier, sondern gewaltige Kopfschmerzen, weil er zu lang gebechert hat), sagt er, dass er seinen Arsch auf den Schultern trägt. Oder sein Haar hat heute Schatten. Und wenn man am nächsten Tag ein Bier braucht, um wenigstens halbwegs wieder rund zu laufen, dann nennt es der Finne „das Ausgleichende“ – oder wenn es mehrere sind: „die Reperaturserie“. Wenn es noch schlimmer sein muss und der Tag nur mit Wodka beginnen kann, spricht man vom „anfahren am Berg“. Was für eine blumige Sprache. Deutsch kann sich da ein paar Scheiben abschneiden.

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